Eine der größten Investitionen am Görlitzer Bahnhof befindet sich derzeit in der Umsetzung. Die historische Bahnsteighalle, die seit 1914 das Stadtbild prägt und zu den markanten Wahrzeichen der Stadt gehört, wird umfassend modernisiert. Ziel der Maßnahme ist es, das denkmalgeschützte Bauwerk zu erhalten und gleichzeitig den Komfort für Reisende nachhaltig zu verbessern.
Die von der DB InfraGO AG durchgeführten Arbeiten begannen im Jahr 2023 und erfolgen unter laufendem Bahnbetrieb. Täglich nutzen zahlreiche Fahrgäste den Bahnhof, an dem rund 150 Regionalzüge halten. Aufgrund der denkmalpflegerischen Anforderungen wird die Sanierung abschnittsweise durchgeführt. Spezielle Gerüstkonstruktionen werden dabei schrittweise zwischen den einzelnen Bereichen der Halle umgesetzt.
Zum Umfang des Projekts gehören die Erneuerung der Tragkonstruktion, der Austausch der historischen Verglasungen, die Modernisierung der Beleuchtung sowie die Restaurierung der Oberlichter und der denkmalgeschützten Treppenhausverkleidungen. Sämtliche Maßnahmen wurden mit der städtischen Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt des historischen Erscheinungsbildes. So werden unter anderem die charakteristischen grünen Glasscheiben der ursprünglichen Konstruktion in aufwendiger Handarbeit nachgebildet.
Ein wichtiger Bestandteil der Modernisierung ist die Verbesserung der Barrierefreiheit. Am Bahnsteig 9/10 entsteht erstmals in der Geschichte dieses Bahnsteigs ein Aufzug. Der Aufzugsschacht wurde bereits errichtet, die Installation und Inbetriebnahme der Anlage sind für das Jahr 2026 vorgesehen. Nach Abschluss der Arbeiten werden alle drei Mittelbahnsteige barrierefrei erreichbar sein.
Die Umsetzung des Projekts erwies sich als anspruchsvoller als ursprünglich erwartet. Nach Beginn der Bauarbeiten wurden erhebliche Schäden an den Betonkonstruktionen sowie Probleme am Stahltragwerk der Halle festgestellt. Die notwendigen zusätzlichen Gutachten und die Ausarbeitung einer neuen Planungsgrundlage hatten Auswirkungen auf den weiteren Bauablauf.
Derzeit konzentrieren sich die Arbeiten unter anderem auf die Südfassade sowie auf die mehr als einhundert Jahre alten Stahlträger, die instand gesetzt und dauerhaft gegen Korrosion geschützt werden. In den kommenden Jahren werden weitere Bereiche der Halle saniert, darunter auch die Überdachungen über den Bahnsteigen 9/10 und 7/8. Der Abschluss der gesamten Modernisierung ist für den Sommer 2029 vorgesehen.
Aufgrund der laufenden Bauarbeiten bleiben Teile der Bahninfrastruktur vorübergehend außer Betrieb. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird ein kostenloser Ersatztransport angeboten, der auch für die Beförderung von Rollstühlen geeignet ist. Die Bahn betont, dass mögliche zeitweilige Einschränkungen und Baulärm durch geeignete Maßnahmen auf ein Minimum reduziert werden sollen.
Nach Abschluss der Investition soll der Bahnhof Görlitz den historischen Charakter eines der bekanntesten Eisenbahnbauwerke der Region mit modernen Standards im Personenverkehr verbinden.
Via Regia Trade, fot. Waldemar Roszczuk












